Soziale Gerechtigkeit

Die Universität sollte lernwilligen Menschen unabhängig von deren sozioökonomischem Status, ethnischer Abstammung, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion den Zugang zu Bildung ermöglichen.
Die momentanen finanziellen Anforderungen stellen für viele Student_innen und Studieninteressierte ein nahezu unüberwindliches Hindernis dar. Die Grüne Hochschulgruppe setzt sich daher, auch in überregionalen Kooperationen, dafür ein, die Studienbeiträge in Höhe von 500,- € pro Semester abzuschaffen und durch einen steuerfinanzierten Ausgleich zu ersetzen. Ferner fordern wir die staatlich finanzierte Lehrmittelfreiheit für alle Student_innen.
Im Jahr 2011 wurde die Neueinführung des nationalen Stipendienprogramms umgesetzt. Die Mittel hierfür werden zur Hälfte von der Universität selbst getragen, die diese wiederum aus Drittmitteln (also großteils aus der Wirtschaft) einwerben muss. Geplant wurde, dass bis zu 8% der Student_innen der Universität ein solches Stipendium erhalten. Die Vergabe erfolgt dabei nach Leistungskriterien, und berücksichtigt nur im Falle der „Leistungsgleichheit“ die soziale und finanzielle Lage der Student_innen. Das Gesetz sieht außerdem vor, dass Vertreter der Mittelgeber dem Vergabegremium in „beratender“ Funktion beisitzen können. Die Grüne Hochschulgruppe ist aus mehreren Gründen gegen ein solches leistungsgebundenes Stipendium. Erstens halten wir Noten nicht für ein zuverlässiges Kriterium um den Lernerfolg von Student_innen abzubilden. Zweitens wird hiermit nicht in erster Linie den Student_innen geholfen, die finanzielle Unterstützung wirklich benötigen. Gerade Student_innen die sich
  mit Nebenjobs das Studium finanzieren müssen haben durch ihre zeitliche Eingebundenheit unter den herrschenden Studienbedingungen Nachteile gegenüber ihren Mitstudent_innen. Selbiges gilt für Student_innen mit familiären Verpflichtungen, die dadurch ebenfalls sowohl finanziell als auch zeitlich besonders beansprucht sind. Die Tatsache, dass dieses Jahr nur 25 von 11.034 Student_innen der Universität Osnabrück eines der Deutschlandstipendien erhielten zeigt, dass es nicht geeignet ist einer großen Masse von angehenden Akademikern ihr Studium zu erleichtern, sondern einer kleinen Elite vorbehalten ist. Wir begrüßen allerdings, dass hierbei Student_innen aller Fachbereiche berücksichtigt wurden und nicht, wie befürchtet, vor allem Wirtschafts- und Ingenieurswissenschaftler begünstigt wurden. Der von Bund und Ländern getragene Teil der Stipendiengelder könnte weit sinnvoller genutzt werden, etwa für eine Flexibilisierung des Bafög Systems. So könnte man Student_innen unabhängig
  vom Gehalt ihrer Eltern ein Studiengeld zahlen, sodass niemand gezwungen wird in letzter Instanz die eigenen Eltern auf Zahlung von Unterhalt zu verklagen. Menschen in einen derartigen Konflikt zu bringen halten wir für unmoralisch.
Ein weiteres Manko in Puncto sozialer Gerechtigkeit stellt die derzeitige Vergabe von Studienplätzen dar. Studienbeschränkungen durch den Numerus Clausus (NC) verwehren nicht nur vielen Menschen sich ihren Interessen gemäß zu bilden, sondern fördern auch die Selektion nach sozialen Kriterien. Der sozioökonomische Status einer Familie wirkt sich massiv auf die Bildungsmöglichkeiten der Kinder während der Schulzeit aus, da die Unterstützung der Eltern, die Möglichkeit von Lehrmittelbeschaffung und die Förderungsmöglichkeiten stark variieren. Die Grüne Hochschulgruppe spricht sich gegen Zulassungsbeschränkungen und insbesondere gegen die sozial ungerechte und inhaltslose Vergabe von Studienplätzen nach Abiturnote aus. Auf lange Sicht sollte die Universität ihre Kapazitäten der Interessenlage der studierwilligen Menschen anpassen können. Kurzfristig sollten Fachbereiche auf eine sozial gerechte Vergabe von Studienplätzen achten. Auch die Vergabe von weiterführenden Masterstudiengängen nach NC halten wir nicht für sinnvoll. Es gibt Studiengänge, die ohne Masterabschluss quasi wertlos sind: so zum Beispiel der Bachelor of Education, für das Berufsziel Lehramt. Um Student_innen vom Leistungsdruck zu entlasten und ihnen zu ermöglichen sich ihren Neigungen entsprechend zu bilden halten wir es daher für nötig, dass jedem Bachelorabsolventen ein Masterplatz garantiert wird.
Die Grüne Hochschulgruppe setzt sich dafür ein, dass an der Universität Osnabrück Prüfungsbedingungen  individuell an die Möglichkeiten von Menschen mit Handicaps angepasst werden.